Säumige Zahlungen sind eines der Dinge, die einem das Exportgeschäft schwer machen können. Wie man trotzdem zu seinem Geld und Recht kommt, zeigt ein Wiener Blues-Label.
Manchmal laufen die Dinge auch in einer scheinbar verkehrten Welt eine Zeit lang ganz passabel. Etwa so: Ein Schallplattenladen in der Blues-Metropole Chicago ordert ausgerechnet bei einem Wiener Blues-Label gelegentlich ein paar Dutzend Platten. Einige Jahre lang läuft alles glatt. Irgendwann aber passiert es: Die Zahlung bleibt aus.
Über Wochen hinweg bleibt der Kunde säumig. Nach zwei Monaten kontaktiert das Wiener Label das AußenwirtschaftsCenter Chicago und bittet um Hilfe beim Eintreiben der offenen Forderung in Höhe von 600 Euro. Im AußenwirtschaftsCenter greift man zum Telefon. Der Betreiber des Schallplattenladens rechtfertigt sich: Er hätte angenommen, dass die Rechnung längst über den Broker im Zuge der Importformalitäten bezahlt worden sei. Selbstverständlich werde er den Beleg, der seine Behauptung stützen würde, eiligst per Fax übersenden. Zwei Wochen später sind weder Fax noch Zahlung eingegangen. Der Wiener Musikverleger nimmt erneut Kontakt mit dem AußenwirtschaftsCenter auf, um sich nach den Chancen einer Klage zu erkundigen. Ein Anwalt erscheint angesichts der verhältnismäßig kleinen Summe als zu teuer. Also bietet der Stellvertreter des österreichischen Wirtschaftsdelegierten persönlich seine Dienste an: An einem der nächsten Abende könnte er auf dem Nachhauseweg ohne größere Umstände die Adresse des Plattenladens ansteuern. Versprochen. Und gehalten.
Angesichts des Besuchs eines Österreichers sagt der säumige Zahler zu, gleich morgen früh einen Scheck auszustellen. Drei Tage später bekommt das AußenwirtschaftsCenter Post vom Plattenhändler – neben einer Kopie des Schecks, der auf den Namen des Wiener Labels ausgestellt ist, findet sich im Umschlag eine Karte mit einer paar freundlichen Worten und die neueste CD der Blues-Legende John Lee Hopkins. Dass das kleine Präsent nicht ohne Hintergedanken ausgewählt wurde, zeigt derTitel: „Chill Out – (Things Gonna Change)". Was ins Deutsche übertragen eindeutig als die Entschuldigung eines alten Bluesmannes zu lesen ist: „Beruhige dich, wird nicht wieder vorkommen".